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Auf den Spuren Goethes

Der Gardasee ist ein Wasserparadies mit zauberhaftem Hinterland

Aldo Valente hat einen Traumjob. Als Kapitän steht er am Ruder der historischen Zweimast-Bark “San Nicoló”.  Sonnengebräunt, mit silbergrauem Haar, schippert der 63-Jährige fröhliche Hochzeitsgesellschaften, betuchte Geschäftsleute oder ganz einfach nur Touristen die Süd-Ost-Küste des Gardasees entlang. Doch heute blickt der Venezier mit dem klangvollen Namen skeptisch zum blauen Himmel. Der Pelér, der Nordwind, nach dem sich auf dem größten italienischen See sonst die Uhr stellen lässt, ist unverhofft eingeschlafen.
So treibt ein leise tuckernder Dieselmotor das alte Handelsschiff voran, und Valentes Passagiere genießen dankbar den Fahrtwind. Denn im Juli und August ist es heiß und dazu oft schwül am Gardasee. Dessen Reize vermag das aber nicht zu schmälern. Erst recht nicht, wenn sie sich auf so angenehme Art wie mit der San Nicoló erschließen lassen. Dazu zählt auch die Aussicht auf die noch sanften Hügel am Ostufer bei Bardolino. Nur wenige hundert Meter hinter dem Hotel Caesius, das aus einer Thermalquelle entstand und heute mit Managertagungen und Wellness-Urlaub zugleich einen neuen Trend setzt, wachsen schon edle Trauben, aus denen später die Valpolicellas, Amarones und Reciotos gekeltert werden. Dass auch die Olive zum Wohlstand der Region beiträgt, zeigt ein kleines Ölmuseum in Cisano.
Auf dem Weg nach Norden zieht die schön renovierte Promenade von Bardolino vorbei. Romantische Villen prägen den kleinen Ort, zu dessen Sehenswürdigkeiten die bereits im Jahr 893 erwähnte Kirche San Severo am Stadtrand zählt. Neben dem unvermeidlichen touristischen Sortiment findet der Urlauber in den engen Gassen auch kleine Läden, in denen der begehrte schwarze Trüffel gehandelt wird.
An dem dürften sich auch die illustren Gäste delektiert haben, die weiter nördlich vorbei an Garda an der Punta San Vigilio logierten. Hier beginnt am Ufer bereits die Bergwelt der Alpen. Napoleon, Zar Alexander II., Winston Churchill, Lady Diana und König Juan Carlos sind nur einige, die sich auf der kleinen Landzunge von den Strapazen ihres Alltags ausruhten. Die jedermann zugängliche Sirenenbucht nebenan zählt zu den schönsten Uferabschnitten des Sees. Wie an den meisten Stränden sind wegen des groben Kieses auch hier Schwimmschuhe zu empfehlen. Dafür gibt es im süßen Seewasser keine Quallen.
Von hoch droben grüßt hier schon der Monte Baldo. Die Spitzen des Bergrückens ragen bis zu 2200 Meter hoch hinauf. Weil er selbst in der Eiszeit noch aus der Eisdecke herausragte, haben auf dem Osthang einige urtümliche Pflanzen und Tiere überlebt. Wanderer und Mountainbiker wissen die bequeme Auffahrt mit einer sich um 360 Grad drehenden Gondelbahn zur modernen Bergstation zu schätzen, bevor sie je nach Gusto den gemütlichen oder rasanten Heimweg hinab wählen. Gleitschirmflieger finden hier ideale Startbedingungen vor, um in schier endlosen Schleifen sanft die zwei Kilometer zum fast kitschig schönen Malcesine hinabzuschweben. Zur Orientierung dient der Felsvorsprung mit seiner Scaligerburg aus dem 13. Jahrhundert, in der eine Büste Johann Wolfgang von Goethes an dessen Besuch im Jahr 1786 erinnert. Während seiner berühmten Italienreise erlag auch der Dichter der Faszination des Ortes und seiner Bewohner. Für die sind heute Wassersportler und Badeurlauber gern gesehene Gäste.
Draußen auf dem See hat die San Nicolo längst nach Westen abgedreht. Aldo Valente steuert das brescianischen Ufer an und umrundet die Isola della Garda. Hier führen die Grafen von Cavazza gern noch selbst zwischen April und Oktober durch ihre venezianische Villa und deren üppige blühende Gärten, in denen auch exotische Pflanzen zu finden sind. Pinien und Zypressen, Akazien und Zitronenbäume vereinen sich zu einem märchenhaften Wald.
Märchenhaft, aber ungleich größer ist auch der 20 Kilometer südlich des Gardasees gelegene Landschaftspark Parco Giardino Sigurtà. Auch hier erinnert eine Burg an die 1300  in Verona herrschenden Scaliger. Wer schon immer einen Elektro-Caddy fahren wollte, ohne sich gleich dem Golfen zu verschreiben, ist hier richtig. Dank GPS-System geht auf dem 600 000-Quadratmeter Areal mit seinen wechselnden Panoramen niemand verloren. Einsiedelei, Heilkräutergärten, unendlich erscheinende Rasenteppiche, Skulpturen, 18 blühende Teiche und über 40 000 Buchsbäume lassen sich auch von einem Bummelzug auf einer 7,5 Kilometer “Strecke der Verzauberung” aus entdecken. In der landwirtschaftlichen Zone lädt ein antiker Bauernhof Schulen und Familien zu lehrreichen Betrachtungen ein.  
Sein Wasser zieht der traumhafte Garten aus dem Mincio. Am Ufer des Flusses, aus dem der Gardasee in den Po fließt, liegt Valeggio. Hier scheint die hausgemachte Pasta ihre Heimat zu haben. 2009 zu Recht als schönstes Dorf Italiens ermittelt, macht es regelmäßig durch die “Festa del nodo d´amore” von sich Reden. Beim jährlichen “Fest des Liebesknotens” werden an langen Bänken auf der Viscontibrücke bis Mitternacht rund 600 000 handgemachte Tortellinis serviert.
Am Steg von Cisano entlässt Commandante Valente seine Gäste wieder. Viele von ihnen freuen sich schon auf den Abend, wenn sich für sie im ehemaligen römischen Amphitheater des nahen Verona der Vorhang hebt. Von Juli bis August geben sich Startenöre und -sopranistinnen beim jährlichen Opernfestspiele ein Stelldichein unter freiem Himmel. Hauptattraktion in jedem Jahr ist Giuseppe Verdis "Aida", die in diesem Jahr 17 Mal aufgeführt wurde. Die Kleiderordnung für Besucher ist leger, Einheimische bringen gar ihr Picknick mit.

Infos: Anreise: Mit dem Pkw sind es von Münster nach Bardolino etwa 1100 Kilometer. Nächster Flughafen am Gardasee ist Verona. Preisbeispiel: Eine Woche Wellnessurlaub im Hotel Caesius Therme & Spa Resort Bardolino pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück ab 574 Euro. Gardasee-Infos auch bei Europlan © Uwe Wahlbrink 2010

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