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Hoch und heiß hinauf

Vulkan-Wanderungen auf La Palma und Teneriffa

 

Fernando Hernández Villalba denkt mit Schrecken an das Jahr 1971 zurück: “Damals dachten wir, jetzt ist alles aus.” Denn vor 40 Jahren spie der Teneguia Feuer. Glühende Lava ergoss sich aus dem Vulkan unaufhaltsam gen Süden. Genau auf Villalbas Betrieb zu. “Wie durch ein Wunder blieben wir verschont”, sagt der Salzbauer und deutet auf ein bizarres Schlackefeld. Hier machte das austretende Erdinnere auf dem Weg ins Meer einen Bogen um seine erst vier Jahre zuvor eröffnete Saline. Der Name “Sal Marina Teneguia”, unter dem er seine 600 Tonnen reinstes Meersalz jährlich vermarktet, erinnert an das Ereignis. La Palma, der nordwestlichsten Insel des kanarischen Archipels, brachte es bei Fuencaliente, wo ein ausgezeichneter Malvasier-Wein gedeiht, breite Flächen für neue Strände und Bananenplantagen. Auf erstarrten Lavaströmen am Leuchtturm beginnt seitdem die spektakuläre “Ruta de los Volcanes”, die Vulkanroute.

Die Faszination der Schlote, Krater und Kegel verdrängt die Lust auf Badefreuden im mild temperierten Atlantik. Der Wanderer bekommt eine Ahnung, was Tanz auf dem Vulkan bedeutet, wenn ihm Lavahitze auf besagtem Teneguia buchstäblich den Boden zu heiß unter den Füßen werden lässt. Er gilt als noch nicht erloschen. Zahlreiche Pinien schimmern wie grün leuchtende Inselchen aus dem dunklen Krater des 1678 zuletzt ausgebrochenen San Antonio. Ein Besucherzentrum am Fuß des Berges vermittelt Wissenswertes über den vulkanischen Ursprung von La Palma. Ein Stockwerk höher ragt - wolkenloser Himmel vorausgesetzt - bereits der Kegel des San Martin aus dem lückenhafter werdenden Wald. Bis zum Endpunkt der Route bei El Pilar reihen sich fast ein Dutzend weiterer Vulkankegel wie eine Kette bis hinauf zum 1932 Meter hohen Deseada-Gipfel.

Doch es geht noch höher hinauf. Denn die Vulkanroute ist nur ein Abschnitt des 90 Kilometer langen Insel-Wanderweges “GR 131”, der wiederum zum Europaweg 7 gehört. Bis auf den 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos windet sich der Wanderpfad. Das dort liegende “Observatorio Astrofisico” lässt sich allerdings bequemer auf einer asphaltierten Straße mit dem Auto erreichen. Das 10,4-Meter-Durchmesser-Spiegelobjektiv der international bedeutsamen Sternwarte gilt als das größte der Welt. Den Durchblick ins Weltall schützt auf La Palma ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung.

Wolken verirren sich selten bis hierher. Viel lieber hängen sie zwischen 2000 und 1000 Metern ab. Wie stumme weiße Wasserfälle treibt der Seewind sie die Abhänge der Caldera de la Taburiente herab, einen neun Kilometer breiten und fast zwei Kilometer tiefen Kessel mit ebenfalls von Wanderwegen durchzogenem fast dschungelartigen Lorbeer- und Pinienwald. Das Mikroklima darin begünstigt eine einzigartige Flora mit vielen nur dort vorkommenden Pflanzen. Wer in dem Nationalpark übernachten möchte, benötigt eine Genehmigung, die es im “Centro de Visitantes” an der Carretera General El Paso gibt.

Das 1000 Kilometer lange Wanderwegenetz La Palmas, das die bäuerliche Kulturlandschaft ebenso durchzieht wie die schier endlosen Bananenplantagen, ist gut ausgeschildert. Ebenso das Straßennetz, dessen Serpentinen der Inseltopografie geschuldet sind und jede Entfernung auf ein Mehrfaches der Luftlinie anwachsen lässt. Die wenigen Sandstrände sind selten überlaufen. Der mit 600 Metern längste liegt bei Puerto Naos und ist wie alle anderen lavaschwarz wie die Nacht. Wer städtisches Leben vermisst, sollte die Hauptstadt Santa Cruz besuchen und während eines Bummels durch die malerische Altstadt auf der unvermeidlichen Plaza Espana einen Café con leche genießen. Mitbringsel könnten Zigarren sein, hier noch in Handarbeit produziert, denen in Breňa Alta ein Museum gewidmet ist. Als heimliches Zentrum rückt an der Westseite immer mehr Llos Lanos mit seinen liebevoll restaurierten traditionellen kanarischen Häuschen in den Blickpunkt. Einen Abstecher ist auch immer die von Luis Morieta kunstvoll gestaltete Plaza Glorieta in Las Manchas wert.

Zum Tanz auf dem Vulkan ist der Gipfel des Pico del Teide auf Teneriffa zu schmal. An guten Tagen schemenhaft von La Palma zu erkennen, ragt Spaniens höchster Berg auf der Nachbarinsel 3718 Meter hoch in den Himmel. Selbst hier oben strömt bis zu 80 Grad feucht-heiße Luft aus schmalen Schloten. Schwefelschwaden dringen dem in der sauerstoffarmen Höhe japsenden Kletterer in die Lunge. Der Weg ist beschwerlich, außer für Menschen wie Oliver Konradi, seines Zeichens austrainierter und gut informierter Wanderführer. „Ihr seid doch schon fast oben“, mobilisiert er bei seinen Schutzbefohlen letzte Kräfte. Dabei sind sie erst 160 Höhenmeter unter dem Gipfel  aus dem Lift gestiegen. Aber der grandiose Ausblick lässt alle Mühen vergessen. Frühmorgens wirft die Sonne den Schatten des Kegels weit auf den Atlantik, nachmittags grüßen Gran Canaria, La Palma und La Gomera aus dunstiger Ferne. Nur 150 Menschen ist dieser Blick pro Tag beschieden, bis zu zwei Wochen vorher muss der Aufstieg reserviert werden.

Einer Mondlandschaft gleich dehnt sich die Caldera Las Canadas 17 Kilometer weit um den Fuß des Schichtvulkans aus, den die Einheimischen erfurchtsvoll “Vater Teide” nennen. Er teilt die Insel klimatisch in einen trockenen, von Sonnenanbetern und Wassersportlern bevorzugten Süden und einen fruchtbaren Norden. Von blau-grün über ocker und braun bis zu tiefschwarz schimmert die erstarrte Lava an seinen Flanken und im Tal. Doch der karge Eindruck aus der Höhe täuscht. Einzigartige Pflanzen wie das Teide-Veilchen trotzen in dem 2000 Meter hoch gelegenen Kessel der starken Sonneneinstrahlung, nächtlichen Frösten und Wasserknappheit. Allen voran der Teide-Natternkopf, der von roten und blauen Blüten übersät bis zu drei Meter hoch aus schier endlosen Ginsterfeldern herausragt, um am Ende des Frühlings wie ein fahlgelbes Skelett zu erstarren. Eidechsen- und Finkenarten finden hier ebenfalls ihr Auskommen.

Weiter unten wechseln sich Wälder von widerstandsfähiger Kanarenkiefer mit kargen Lavafeldern und vulkanischen Aschewegen ab, die gutes Schuhwerk fordern. Unter blühenden Bäumen sind geführte Mandelwanderungen sind im Februar angesagt. Im Herbst kommen die Liebhaber veredelten Traubensaftes auf ihre Kosten. In den Guanchinces, wie die urtümlichen und mit einer Weinrebe gekennzeichneten kleinen Bars am Wegesrand in den fünf Anbaugebieten heißen, bieten die Inhaber Hausmannskost und selbst produzierten Wein feil. Spezialität sind in Salz gebackene kleine runzelige Kartoffeln (“Papas arrugadas”) an einer der legendären kanarischen Saucen (“Mojos”), deren Grundlage Essig, Öl und Knoblauch bilden, und die “Morcilla”, eine mit Rosinen, Mandeln und Zimt gewürzte, süßliche Blutwurst.

Wie ein Märchenwald stellt sich der Parque Rural Anaga dar. In seinem feuchten Klima gedeiht die einzigartige kanarische Glockenblume, auch „Bicácaro“ genannt, das Wahrzeichen Teneriffas. Auf zum Teil barrierefreien Wegen und Sinnespfaden durch verschlungenes Lorbeergeäst führen alten Routen der Ureinwohner, der Guanchen, bis in das kleine Fischerdorf Tananaga. Dort erinnert der Atlantik den Wanderer wellenschlagend wieder daran, dass Teneriffa auch ein Paradies für Wassersportler ist. © Uwe Wahlbrink 01/2012

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt Düsseldorf

Übernachtungstipps: Grand Hotel Bahia del Duque Resort, Hotel Seniorio del Valle, Hotel Oceano (alle Teneriffa), Hotel Sol Palma in Puerto Naos (La Palma)

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